Angebot und Nachfrage

17. Juli 2008

Womit verdient eigentlich Toshiba sein Geld? Auf der einen Seite verkaufen sie zum Beispiel DVD-Spieler, die immer auf Stand-By stehen müssen. Ansonsten passiert, was Konrad Lischka im Spiegel beschreibt:

Mein HD-DVD-Player protestiert gegen Umweltschutz. Wenn der Toshiba-Abspieler ein paar Stunden vom Stromnetz getrennt war (Energie sparen!), motzt er beim Start immer so: Ein verärgertes Piepsen, ein blauer Startbildschirm mit dem Kommando “Uhr einstellen”. Dann braucht man mindestens fünf Klicks mit der Fernbedienung, um sich durch das eingeblendete Einstellungsmenü für Zeitzone, Jahr, Monat, Tag und Zeit bis zum OK-Knopf zu hangeln.

… Seit 1923 gibt es auf diesem Planeten Automatikuhren - da kann man doch erwarten, dass eine immer funktionierende Uhr in einem 300 Euro teuren HD-DVD-Player steckt. Aber nein - wer seinen Toshiba HD-EP10 nicht ständig laufen lässt, wird bei jedem Start aufgefordert, die Zeit neu einzustellen. Der Hersteller hat sich offensichtlich den Miniakku für die Zeitpufferung gespart.

Gespart? Wohl kaum, denn Toshiba verdient auch im Kraftwerksgeschäft. Sie sind vor Areva-Siemens “die Nummer Eins” im Bau von Atomkraftwerken. Irgendwo muss der Strom für ihren Elektroschrott ja herkommen - das Angebot schafft seine Nachfrage, und der Stromkunde darf die Rechnung zahlen. Da hilft wirklich nur Atomausstieg selber machen.


Ideen für den Mülleimer (2): Wegwerfhandy

15. Juli 2008

Es gibt Doofe, Faule und Böse.” schreibt Burkhard Strassmann in der ZEIT. “Darum, sagt sich der für seine Einwegfeuerzeuge bekannte Wegwerfspezialist BIC, gibt es auch einen Markt für Wegwerfhandys.”

Über dieses “praktische” Gerät habe ich vor einiger Zeit schon mal berichtet. Jetzt hat BIC das Ding in Frankreich wirklich auf den Markt gebracht. Wie ich schon sagte: manche Ideen sind einfach für den Mülleimer. Leider landen sie dort nicht als Entwurf, sondern als fertiges Produkt. Herr Strassmann wird noch deutlicher: “Wenn das Bicphone in Frankreich ein Erfolg wird, soll sich die Pest über ganz Europa verbreiten. Ende 2008 wissen wir also Genaueres zur Frage, wie verbreitet sie hierzulande sind: die Doofen, die Faulen und die Bösen.”


Zu blass! Zu dunkel!

14. Juli 2008

Schönheit ist ein Ideal, das ist nicht erst in unserem Zeitalter so. Was “schön” ist, ist von Jahrzehnt zu Jahrzehnt und zwischen den Kulturkreisen jedoch sehr unterschiedlich. So gibt es bei uns Sonnenstudios zum bräunen, in Asien dagegen Bleichcreme für die Haut. Darüber schreibt Die Presse aus Wien:

In China soll die Haut „PiFu“ sein, „weiß wie Schnee“. So wird gebleicht, was die Tiegel hergeben, jede zweite Frau in Hongkong hellt ihre Haut, 2002 füllten sich die Kliniken, weil das giftige Quecksilber besonders gut bleicht und viele Hersteller zu viel in die Tiegel warfen. Darüber kann man doch nur den Kopf schütteln! Man weiß ja spätestens seit „Alice im Wunderland“, dass Quecksilber gefährlich ist: „Mad Hatter“, der Hutmacher, ist, wie viele andere seiner Zunft, vom Quecksilber verrückt geworden!

Derartige Giftcremes, mit bis zu 5 Prozent Quecksilber, gelangen auch auf den europäischen Markt. Die wenigsten werden bei Kontrollen gefunden und aus dem Verkehr gezogen.


Lampenkonferenz

25. Juni 2008

Was es nicht alles gibt: am Freitag bin ich bei einer Energiesparlampenkonferenz in Brüssel eingeladen, mit dem Titel Mercury-containing lamps under the spotlight“. Vertreten sind neben Umwelt-NGOs auch Lampenhersteller und Vertreter der EU-Kommission und der Mitgliedsstaaten. Wird sicher spannend.


Lieber spät als nie

23. Juni 2008

Es war im September letzten Jahres, als das Blacksmith Institute und Green Cross Schweiz eine Liste der zehn schmutzigsten Orte der Welt veröffentlicht hat. Darunter befinden sich einige Orte in denen Chlorfabriken reichlich Quecksilber abgeben, deswegen habe ich ausführlich berichtet. GMX und WEB.de (was ja bekanntlich fast das selbe ist) haben die Liste jetzt noch mal mit einigen Grusel-Bildern versehen und neben skurrilen Geschichten über Baummänner und siamesische Zwillinge auf die Startseite gestellt. Ich finde es nach wie vor lesenswert.


Kommt jetzt der Lampenkontrolleur?

19. Juni 2008

Glühbirnen sind gut geeignet um ein Zimmer zu heizen, aber kaum um Licht zu spenden. Deswegen ist ihr Verkauf in vielen Ländern schon verboten. Nun ist es auch bei uns so weit, zumindest wenn man der Rheinischen Post glauben darf. Die schreibt: “EU will Glühbirnen 2009 verbieten“. BILD und Spiegel Online ziehen nicht minder resolut nach. Muss man sich bald vor unangemeldeten Lampenkontrollen fürchten? Unsinn. Zunächst einmal ist nicht jeder Vorschlag von der EU-Kommission schon beschlossene Sache. Im Gegenteil, der Verfahrensweg ist lang. Bis die Umweltminister der Länder und das Europaparlament sich geeinigt haben, vergehen meist Monate. Der Kommissionsvorschlag sieht zudem lange Übergangszeiten vor. Möglicherweise wird im nächsten Jahr der Verkauf der verschwenderischsten Lampen verboten, bis schließlich 2015 stufenweise alle ineffizienten Produkte vom Markt genommen werden.

Und wer soll das bezahlen? Die Stromkonzerne, denn die werden weniger verdienen. Alle Stromkunden können sich über die Zwangsbeglückung freuen:

Die Kommission geht von Einsparungen für die Verbraucher in Europa von 5 bis 8 Milliarden Euro aus. Wenn alle Haushalte auf Energiesparlampen umstellten, spart dies allein in Deutschland 7,5 Milliarden Kilowattstunden Strom – das entspricht 4,5 Millionen Tonnen weniger an klimaschädlichem Kohlendioxid.

Der Vorschlag ist sicher sinnvoll, aber nicht ohne Einschränkungen. Zum einen existieren noch immer hohe Zölle auf Energiesparlampen aus China. Es ist absurd, die effizientesten Lampen zu besteuern und und gleichzeitig Energiefresser zu bekämpfen. Zölle weg, dann kann auch das Verbot kommen!

Der zweite Kritikpunkt ist grundsätzlicher: Energiesparlampen enthalten giftiges Quecksilber und dürfen nicht in den Hausmüll geworfen werden - 90 Prozent landen trotzdem dort. Nicht einmal ausgewiesene “Mülltrenner und -sammler” wie die Deutschen geben ihre Energiesparlampen zum Recycling. Zwar sind die sparsamen Lämpchen insgesamt ökologisch vorteilhaft. Aber der Klimaschutz sollte nicht gegen andere Umweltprobleme aufgewogen werden und das Lampenrecycling muss europaweit energisch vorangetrieben werden.

Die EU-Kommission ist übrigens grade auch dabei die Elektroschrott-Richtlinie zu überarbeiten. Es gab 113 Stellungnahmen, darunter auch von meinem Verband, dem Europäischen Umweltbüro.

Bild: CC matzzz300 / flickr.com


Die besondere Würze

18. Juni 2008

Als Student mochte ich nie Mensaessen in der Uni. Es war zu weich oder zu hart, zu süß oder zu salzig oder völlig geschmacklos. Das ist aber noch gar nichts gegen das, was in Japan aufgetischt wird. Hier hat das Mittagessen die besondere, metallische Quecksilberwürze integriert. “Japans Schüler bekommen Walfleisch mit Quecksilber” titelt Die Welt heute und beruft sich auf eine Pressemitteilung von Pro-Wildlife. Die schreiben nämlich:

An Japans Schulen wird stark belastetes Wal- und Delfinfleisch angeboten und damit die Gesundheit tausender Kinder riskiert. „Delfinfleisch ist bis zu 5.000-mal stärker mit Quecksilber belastet als die japanischen Grenzwerte zulassen. Und 38 Prozent des angebotenen Walfleisches aus dem japanischen Walfang im Nordpazifik ist mit den gefährlichen Brucellose-Erregern infiziert“, berichtet Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. Dennoch lässt die japanische Regierung sogar an Grundschulen das belastete Fleisch verteilen. Seit Jahren ist Walfleisch in Japan ein Ladenhüter, die Preise liegen im Keller. Doch Japan hält an seinem umstrittenen Walfangprogramm fest und lässt übrige Fleischbestände in einigen Präfekturen an Schulen als Mittagessen verteilen.

An den Vorwürfen wird wohl was dran sein, denn im Meer landet schließlich der größte Teil des Quecksilbers, das aus Kohlekraftwerken und Chlorwerken, bei Waldbränden und bei der Goldwäsche oder zum kleinen Teil auch aus natürlichen Ereignissen wie Vulkanausbrüchen freigesetzt wird. Die Walfängerei hat ihre beste Zeit hinter sich, denn die Tiere sind vom Aussterben bedroht und eben ungenießbar. Da Totgesagte länger leben ist es sicher sinnvoll, die sterbende Industrie besonders kritisch zu beobachten und mit dem Druck nicht nachzulassen.

Was ich schade finde ist aber, dass nicht gleichzeitig immer deutlich gemacht wird, dass auch bei uns, hier im “zivilisierten” Deutschland und Europa vom Aussterben bedrohte und mit Quecksilber vergiftete Meerestiere auf dem Teller landen: Thunfisch, Schwertfisch, Hai.


Hewlett-Packard ohne Quecksilber

11. Juni 2008

“HP hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2010 komplett auf den Einsatz von Quecksilber in seinem gesamten Notebook-Portfolio zu verzichten.”

Das ist doch mal ein gutes Ziel (via: Pressemitteilung von HP). Bei Philips dagegen stand gestern Greenpeace vor der Tür (bzw. hing an der Fassade) und forderte: “Stoppt Elektroschrott!” Im “Guide to Greener Electronics” von Greenpeace steht HP derzeit mit anderen an siebter Stelle, Philips an 17. Dahinter kommt nur noch weit abgeschlagen Nintendo. An der Spitze liegen zur Zeit Samsung und Toshiba.


Symbolik (10) - Der Mob

9. Juni 2008

Quecksilber ist mehr als ein schnödes Element mit der Ordnungszahl 80. Das flüssige Metall umgibt in mancher Hinsicht eine gradezu mystische Aura. Es wird für vielerlei Sinnbilder verwendet, häufig dann, wenn ein Vergleich besonders literarisch sein soll.

Die SZ-Online - nein, nicht die Süddeutsche sondern die Sächsische Zeitung - berichtet in dem Protokoll einer Menschenverbrennung über ausländerfeindliche Pogrome in Südafrika.

Die Gewalt in Südafrika beginnt am 11. Mai, im Township Alexandra. Ein Mob attackiert afrikanische Ausländer, mindestens zwei Menschen sterben. [...]

Rasende Männer, bewaffnet mit Macheten, Stöcken und Steinen. Der Mob wütet, bis ihn die Polizisten mit ihren Gummigeschossen auseinander sprengen. Dann hüpfen die Schläger über die Zäune oder flüchten zwischen die Häuser. „Es ist schwer, den Mob zu kontrollieren“, sagt Inspektorin Sasa Lengene. „Du sprengst ihn auseinander, aber Minuten später rottet er sich woanders wieder zusammen.“ Wie eine Kugel Quecksilber aus einem zerschlagenen Fieberthermometer. Sie ist nicht zu fassen. Tippt man sie an, zerspringt sie in viele Tröpfchen, die in alle Richtungen rollen.

56 Tote, 10.000 Menschen auf der Flucht - es ist so absurd, dass Menschen sich so etwas antun. Aber nicht nur in Südafrika, auch in Sachsen sind fremdenfeindliche Nationalisten auf dem Vormarsch.


Goldmuseum

2. Juni 2008

In Thüringen gibt es das einzige Goldmuseum in Deutschland. Der Eintritt kostet 2 Euro oder 0,2 Gramm Gold. Die Chancen Gold zu finden sind wohl gar nicht schlecht, im Thüringisch-Fränkischen Gebirge, Lausitzer Bergland, Vogtland und Mittelsachsen gibt es wohl über 500 Bäche, die Gold führen - und jedes Jahr werden neue entdeckt. Wen der Goldrausch packt kann sich im Museum Spezialausrüstungen für Goldgräber leihen oder kaufen: Schaufeln, Waschpfannen, Siebe und Fachliteratur. Das Museum wird als Museum der Woche im Deutschlandradio Kultur vorgestellt. Auf den großen Reichtum darf man wohl nicht hoffen:

Der Traum von den großen Nuggets von hundert Gramm und mehr erfüllte sich schon zu mittelalterlichen Zeiten äußerst selten. Goldgewinnung hat sich über die Jahrhunderte im Prinzip kaum geändert. Bergleute haben das goldhaltige Gestein heraus geschlagen, in sogenannten Pochwerken zerkleinert und dann entweder nur mit Wasser durchgewaschen, so wie das die Goldwäscher auch machen, oder auch teilweise mit Quecksilber vermischt. Das Quecksilber nimmt dann das Gold auf, dabei entsteht Amalgam, das Amalgam wird erhitzt, Quecksilber verdampft und übrig bleibt das Gold.

Ich hoffe mal, dass heute kein Quecksilber mehr eingesetzt wird, das ist in Europa streng verboten. Ansonsten wünsche ich allen Goldsuchern: Glück auf! Aurora! Gut Gold!